Max Schwimmer
Wenn man den Begriff Leipziger Schule der Malerei und Neue Leipziger Schule als Qualitätsmerkmal nebeneinander und hintereinander existierender unterschiedlicher Stilformen über den Zeitraum 1945 bis zur Gegenwart betrachtet und darunter nicht eine bestimmte Lehrmethode subsumiert, muss der am 9.12. 1895 in Leipzig geborene Robert Richard Max Schwimmer als der „Urvater“ angesehen werden.
Bereits Anfang der Zwanzigerjahre illustrierte er die ersten Bücher und bis zu seinem Tod rund 100, darunter Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“, Goethes „Faust“ und sein „Tagebuch“, Werke von Balzac, Tucholsky, Maupassant, Heym, Maurer. Seine frühen Bekanntschaften mit Malern wie Kokoschka, aber auch Schriftstellern, darunter Becher, Weinert, Ringelnatz hatten spürbaren Einfluss auf die Entwicklung von Schwimmer. 1922 heiratet er, hat erste eigene Ausstellungen, verlässt seine Anstellung im Volksschuldienst und arbeitet als Pressezeichner mit dem ihn auszeichnenden heiter anmutenden, erotischen, eleganten, leichten Strich und Rezensent für die Leipziger Volkszeitung, unternimmt Studienreisen nach Italien und Frankreich.
Mit Beginn des braunen Terrors verliert Max Schwimmer seine Anstellungen, die Ehe wird geschieden. 1943 heiratet er erneut und zieht mit seiner zweiten Frau, Ilse Herta Marie Naumann, liebevoll Ilske genannt, nach Wohlbad. 1944 wird Schwimmer zur Wehrmacht eingezogen.
Nach Beendigung des Krieges ziehen Schwimmers zurück nach Leipzig. Im Dezember 1945 wird er Mitglied der KPD, erhält im April 1946 eine Berufung als Professor und Leiter der Abteilung Grafik an der Staatlichen Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe, übernimmt 1947 die Leitung der Leipziger Kunstgewerbeschule und unterrichtete später bedeutende Maler, wie Bernhard Heisig, Werner Tübke, Günter Horlbeck, Arnd Schultheiß. Max Schwimmer ist politisch stark engagiert, äußert sich zu kulturpolitischen Fragen, hält Kontakt zu den in dieser Zeit an der Leipziger Universität tätigen Philosophen, Historikern , Literaturwissenschaftlern. 1951, dem Jahr der Überprüfungen der „Zuverlässigkeit“ und Einhaltung der von der SED vorgegeben Denk- und Handlungsrichtungen der an den Leipziger Einrichtungen Lehrenden, fällt auch Max Schwimmer zum Opfer. Eine Ausstellung seiner Arbeiten wird insbesondere von Kurt Maßloff und Kurt Magritz zum Anlass genommen, die „Formalismusdebatte“, von Moskau geschürt um die „richtige“ Kunstform in der sozialistischen Gesellschaft, weiter zu eskalieren.
Schwimmer verliert seine Tätigkeit an der Leipziger Akademie, beginnt im September 1951 in Dresden zu unterrichten und wird Ende Oktober an die dortige Hochschule für bildende Künste als Leiter der Abteilung Grafik berufen. Seine Schüler, u.a. Dieter Goltzsche, Max Uhlig, Klaus Weidensdorfer, Herta Günter, Sigrid Artes sind von seiner der Phantasie und Inspiration verpflichteten Kunst mitgerissen, welcher Lehrer stellt schon die Aufgabe den „Duft der Rose“ darzustellen. Max Schwimmers Schaffenskraft kannte keine Grenzen, er zeichnete ständig, sowohl mit der linken, als auch der rechten Hand. Sein Nachlass umfasst 72 Gemälde, 1494 Aquarelle, 30 Gouachen, 1880 Zeichnungen und 2325 Buchillustrationen. Trotz allem bleibt Zeit für Reisen, im November 1952 wird er ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Künste Berlin, 1956 Vorsitzender der Sektion bildende Kunst, er erhält hohe staatliche Auszeichnungen wie den Vaterländischen Verdienstorden und den Nationalpreis. Die letzten Jahre sind gekennzeichnet von Krankheit und Kuraufenthalten.
Max Schwimmer, der Pendler zwischen seinem Lebensmittelpunkt Leipzig, der Stadt, die er liebte, jedoch von ihr meistenteils verschmäht wurde, und seiner Arbeitsstelle Dresden, stirbt am 12.3. 1960.
Unvergessen, wie er das Schicksal der Künstler formulierte : „Vielleicht ist man nur eine kleine Flöte im großen Orchester der Kunst. Geübte Ohren hören sie heraus- ungeübte nur das Solo. Aber wie viele haben gar keine Stimme.“ Inge Stuhr hat mit ihrem Buch „Max Schwimmer - Eine Biographie“ seine Stimme sicht - und hörbar erklingen lassen.
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Wohnhaus:
Gottschedstraße 4, Leipzig
Foto: Dr. H. Markov
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Privatbesitz:
Blumenmädchen
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Privatbesitz:
Zirkuswagen
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Grabstelle:
Friedhof Leipzig-Lindenau