Lene Voigt

02.05.1891 Leipzig – 16.06.1962 Leipzig

Was Sachsen sin
von echtem Schlaach
die sin nicht dod zu griechn.
Drifft die ooch Gummer Daach fier Daach,
Ihr froher Mut wärd siechen 

„Das gonnte noch viel schlimmer gomm‘“
so feixen richtche Sachsen.
Was andre forchtbar schwär genomm,
dem fielnse sich gewachsen.

Un schwimm‘ de letzten Felle fort,
dann schwimmse mit und landen dort,
wo die emal ans Ufer dreim.
So is das un so wärds ooch bleim.

Foto s/w zeigt Schrifstellerin Lene Voigt, Leipzig

Kann man seine Zuneigung zu den Menschen seiner Region, ihrem Lebensverständnis, ihrer Kultur und Sprache besser beschreiben, als Lene Voigt dies in ihrem Gedicht „Unverwüstlich“ macht? Wohl kaum, es sei denn man nimmt ihre „Hymne an den Kaffee“ oder „Mei ärschter Abbelguchen“ als Ergänzungen hinzu.
Ihre Bände „Säk‘sche Glassigger“ sowie „Säk‘sche Balladen“, beide 1925 erschienen, sind hingegen satirisch spöttische Nachahmungen klassischer deutscher Balladen bzw. Lene Voigts sächsische Varianten berühmter Dramen.
Die am 2. Mai 1891 in Leipzig geborene Helene Alma Wagner absolvierte die Volksschule, arbeitete als Kindermädchen und wechselte nach dem Besuch einer Schule für Erzieherinnen in eine Buchhandelslehre, die die Grundlage ihrer späteren Tätigkeit in diversen Leipziger Verlagen war. 1906 erschienen erste Veröffentlichungen in Hochdeutsch und in Sächsisch. Literarisch erfolgreich, war ihr Privatleben von herben Einschnitten gekennzeichnet. Ihre Ehe mit dem Musiker Friedrich Otto Voigt scheiterte, der Sohn Alfred verstarb 1924 im Alter von 5 Jahren und ihre innige Liebe Karl Geil starb bereits nach 3 Jahren gemeinsamen Lebens, worauf Lene Voigt Leipzig verließ und für längere Zeit nach Norddeutschland zog. 
„Vom Pleißestrand nach Helgoland“ war ihre Verarbeitung und Widerspiegelung dieses Lebensabschnittes. Leichte Depressionen und schwache körperliche Konstitution bis zu einem Psychiatrieaufenthalt begleiten ihren Weg. Durch die faschistischen Machthaber erhält sie das Publikationsverbot. Weitere Krankenhausaufenthalte wechselten mit Anstellungen in verschiedenen Einrichtungen des Verlagswesens der in ihre Geburtsstadt zurückgekehrten Dichterin.
Nach dem Krieg verbrachte sie die meiste Zeit in Heilanstalten, bis zu ihrem Tod am 16. Juli 1962 in Leipzig Dösen, wo sie sich, beschützt vor der Ihr Angst einflößenden Außenwelt, als Buchhalterin und Botin betätigte.
Wie scharfsinnig sie die Situation der Mitbewohner analysiert, macht ihr Text Wir „armen Irren“ deutlich. Ihre Gedichte „Weihnachten 1960“, „Lob der Sanatoriumsstation“, „Erinnerung an den 17. Juni 1957“, „Erinnerung an den 29. Oktober 1958“, „Kinofreuden“ und andere beschreiben den Alltag. Daraus kann man entnehmen, dass sich Lene Voigt geborgen fühlte.
Bis zu Beginn der siebziger Jahre gab es in der DDR keine Neuerscheinungen der Werke. Dann erschien ein Reclamheft und das Leipziger Kabarett „Academixer“ brachte ihre Lieder und Texte zuerst in Messesendungen und ab 1980 auf die Bühne.
Heute ist Lene Voigt auch Dank Tom Pauls, Wolfgang U. Schütte, Lutz Matkowitz  und der engagierten Lene-Voigt-Gesellschaft eine in Leipzig bekannte Schriftstellerin und Poetin, ein Park, eine Straße und eine Schule tragen ihren Namen, im Ratskeller des Neuen Rathauses befindet sich das Kaffeekabinett, das ihr Wirken ehrt.