31.10.1921 Scheibenberg - 15.11.1991 Berlin.

Der Mensch ist dem Schicksal nicht machtlos unterworfen. Diese Quintessenz aus
seinem, Max Walter Schulz‘ wohl weitreichendstem Buch „Wir sind nicht Staub im
Wind“ hat sein Leben bestimmt. Geboren am 31.10.1921 in Scheibenberg kam er
nach Volksschule und Gymnasium direkt zur Wehrmacht, wo er den gesamten Krieg
von 1939-1945 erlebte. Nach amerikanischer Gefangenschaft wechselte er bewusst
in die sowjetische Besatzungszone, arbeitete als Hilfskraft und Neulehrer, studierte in
Leipzig von 1946-1949 Pädagogik, wurde aus seinem Verständnis „Nie wieder Nazis
an die Macht “ heraus Mitglied der SED und unterrichtete von 1950-1957 als Lehrer
an der Mittelschule in Holzhausen, dem Ort, in dem er die meiste Zeit seines Lebens
verbrachte, unweit des Monarchenhügels, von welchem aus die Verbündeten Kaiser
Franz I. von Österreich, Kaiser Alexander von Russland und König Friedrich Wilhelm
II von Preußen am 18.10.1813 die Völkerschlacht beobachteten. Schulz war
anschließend Student am Literaturinstitut Johannes R. Becher und von 1964-1983
dessen Direktor, bevor er Chefredakteur von Sinn und Form, der Zeitschrift für
Literatur und Kultur, herausgegeben von der Akademie der Künste, wurde. Dort
ermöglichte er das Erscheinen etlicher Texte, die sonst in der DDR nicht ediert
worden wären.
1990 ereilte ihn der Zwangsruhestand, sei es wegen seiner Position als
Vizepräsident des Schriftstellerverbandes von 1969-1990, sei es wegen seiner Rolle
in der Gutachterkommission zum Wirken von Wolf Biermann, sei es wegen seiner
Mitgliedschaft in der SED-Bezirksleitung Leipzig.
Max Walter Schulz hat den „Bitterfelder Weg“ mit seinen Konferenzen 1959 und
1964, also den Zweiklang zur Förderung von Laienschaffenden und die Darstellung
von Problemen der Arbeitswelt, mit getragen und in seinen Werken umgesetzt. Seine
Romane, Erzählungen, Essays wie:

Stegreif und Sattel,
Triptychon mit sieben Siegeln,
Pinocchio und kein Ende,
Der Soldat und die Frau,
Auf Liebe stand Tod

sind warmherzige, Menschen in all ihrer Differenziertheit schildernde Geschichten.
„Mich interessiert die Möglichkeit des Menschseins mitten im Hass“ formulierte er
einen seiner Antriebe zum Schreiben und Handeln. Dieser Maxime folgte er auch
1988 bei der Veröffentlichung von Auszügen der Lebens- und Leidensgeschichte
seiner Kollegin Trude Richter in sowjetischen Gulags.

Neben Auszeichnungen, u.a. zweimal den Nationalpreis und den VaterländIschen
Verdienstorden, erhielt er 1987 das Ehrendoktorat der Karl-Marx-Universität Leipzig.
Max Walter Schulz starb am 15.11. 1991 in Berlin.