Fritz Rudolf Fries
Bilbao – Leipzig – Petershagen.
19.05.1935 Bilbao/Spanien – 17.12.2014 Petershagen bei Berlin
„Es ist nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, dass einige der in meinem Roman
beschriebenen Personen und Lebensumstände von tatsächlichen Personen und
Lebensumständen inspiriert worden sind.“ So setzte es der Autor in seinem letzten
Roman Last Exit to El Paso (2013) an den Anfang, und dies war Credo seines
gesamten Schreibens. Es war von Beginn an für Fries ein Wandern durch die
Geschehnisse seines eigenen Lebens, freilich gut abgemischt mit den Ingredienzien
von Dreitausend Jahren Menschheitsgeschichte. Mit Calderón zu sprechen, einem
Autor, den er zeitlebens bewundert hat, war es das „La vida es sueno“ – das Leben als Traum.
Fries wird am 19. Mai 1935 als Sohn eines deutschen Kaufmanns in Bilbao/Spanien
geboren und wuchs, nachdem die Familie 1942 nach Deutschland übersiedelte, in
Leipzig auf, wo er die Schule besuchte, um im Anschluss ebendort an der Universität
Anglistik und Romanistik zu studieren. Danach arbeitete er als Dolmetscher und
Übersetzer aus dem Französischen und Spanischen, verließ 1960 Leipzig in Richtung
Berlin, ehe er sich 1966 selbst nachhaltig in die deutsche Literaturgeschichte mit
seinem Roman Der Weg nach Oobliadooh einschreibt. Er markiert damit neben
Büchern von Autoren wie Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Uwe Johnson und
Hans Magnus Enzensberger den großen Aufbruch deutschsprachiger Literatur in die
Weltliteratur. Schon der Titel, entliehen einem Gig des amerikanischen Jazzmusikers
Dizzy Gillespie, offenbart alles, was Fries von diesem Halbjahrhundert nach Ende des
Zweiten Weltkrieges von der Welt erwarten wollte: Offener Neubeginn,
Ausgelassenheit, hohe Intellektualität, globalisierte Weltwahrnehmung. Keine
Nationalismen mehr, sondern der kühne Griff in ein Menschheitsvokabular der
ungebremsten Sehnsüchte nach Frieden und Austausch. Bezeichnend, dass jener
Text in der DDR nicht erscheinen durfte.
Wer jemals mit Fries zusammensaß und Abende mit ihm verbringen durfte, wurde in einen Gesprächsfaden verwickelt, der
keinen Anfang und auch kein Ende hatte, aber Lebens- wie auch Zündschnur war.
Im Vorgriff auf seine spätere kongeniale Übersetzung des Romans des Argentiniers Julio Cortázar Rayela. Himmel und Hölle, mit dem neben Gabriel García Márquez' Hundert Jahre Einsamkeit in den 1960-er Jahren der Magische Realismus in
Lateinamerika beginnt, ließ er den Ariadnefaden durch allerlei Labyrinthe unterschiedlichster Welt- und Traumgegenden legen.