Schriftstellerin
Elisabeth Hering

17.09. 1909 Klausenburg (Österreich-Ungarn) – 15.07. 1999 Leipzig

Quelle (Foto): Helfried Strauß

Elisabeth Hering wurde am 17. Januar 1909 als Elisabeth Leicht im siebenbürgischen Klausenburg geboren. Aufgewachsen in einem bildungsbürgerlichen Haus, entwickelte sie schon früh literarisches und historisches Interesse. Bereits mit 18 Jahren, noch als Schülerin, wählte sie sich den Schäßburger Pfarrer Hans Ackner zum Ehemann. Im Verlauf einiger Jahre, an unterschiedlichen Wirkungsorten des Geistlichen in Siebenbürgen, bekam sie vier Kinder.

 

Die Ereignisse des 2. Weltkrieges zwangen 1943 die Familie als Teil der deutschen Minderheit zur Flucht  vor den nach Rumänien vorrückenden sowjetischen Truppen. Diese führte sie über Zwischenaufenthalte, unter anderem in Lemberg, kurz vor Kriegsende  nach Thüringen, wo Elisabeths fünftes Kind geboren wurde. Getrennt von ihrem Mann, fand sie nach längerer Suche in der kriegszerstörten Stadt Leipzig 1953 schließlich eine Wohnung in der Lessingstraße 16, die für über 40 Jahre ihre Wohnadresse wurde. Ihre Wahl fiel vor allem deshalb auf Leipzig, weil die Deutsche Bücherei einen unerschöpflichen Quellenreichtum bot. Der Fleiß, die Akribie und das systematische Arbeiten charakterisierten sie, die keinen formalen akademischen Abschluss hatte, in allen Phasen des Schreibens.

Die neue private Verbindung mit dem Lektor Walter Hering gab ihrem schriftstellerischen Schaffen einen wichtigen Impuls. So erschien 1961 der Roman „Der Diakon von Monstab“ im Union-Verlag unter beider Namen als Autoren. Zu ihren aktivsten Verlagen gehörten „Prisma“ und der „Altberliner Verlag Lucie Groszer“. Vor allem die historischen Romane hatten eine große Leserschaft; höheren Auflagen stand allerdings der permanente Papiermangel in der DDR entgegen.

Foto zeigt E.Hering, die Schrifstellerin in Leipzig (s/w.)
Elisabeth Hering

Elisabeth Hering beteiligte sich als Schöffin am gesellschaftlichen Leben, um möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, über die sie bei ihrer Herkunft und Lebensgeschichte nicht verfügte. Ländliche Kontakte ergaben sich, als sie 1961 einen wenig komfortablen Sommerwohnsitz in Altenhain bei Grimma erwarb. Die aufgelassene frühere Biberfarm wurde zu einem beliebten Aufenthalt für ihre Kinder und die wachsende Zahl von Enkelkindern. Sie liebte dieses Refugium sehr, lud Freunde ein und schwamm im naheliegenden Steinbruchsee noch im hohen Alter ihre Runden.

Als christliche Autorin kämpfte Elisabeth Hering jahrelang, schließlich erfolgreich, um Aufnahme in den Schriftstellerverband der DDR. Tief enttäuscht durch das Verhalten von Funktionsträgern der evangelischen Kirche, entdeckte sie zufällig einen Schaukasten der „Gesellschaft der Freunde“, der Quäker. Bei ihnen fühlte sie sich mit ihrer christlich-humanistischen Haltung endlich aufgehoben und übernahm als deren Schriftführerin in der DDR zusätzlich Verantwortung.

Freundschaftliche Beziehungen unterhielt Elisabeth Hering zu russlanddeutschen Wissenschaftlern und Künstlern, die sie bei Reisen in die Sowjetunion kennengelernt hatte. Organisiert und finanziert wurden sie durch den dortigen Schriftstellerverband als eine Art Entschädigung für die ohne Lizenz übersetzten und vertriebenen Bücher; die Sowjetunion war keinem internationalen Urheberrechtsabkommen beigetreten.

Aus der Vielzahl der Werke seien einige genannt: Der erste Ägypten-Roman „Die Magd der Pharaonen“ (1958), den sie selbst als ihr vielleicht geschlossenstes Werk ansah und der 2022 Katharina Thalbach aus der Lektüreerinnerung zu ihrer „Aida“-Inszenierung an der Dresdner Semperoper inspirierte, „Ihm zum Bilde“ (1965) über den Schöpfer der Glasfenster im Erfurter Dom oder „Wolken über Wien“ (1970) mit autobiografischen Zügen.

Elisabeth Hering starb 1999 in einem Leipziger Pflegeheim und wurde an der Seite ihrer zehn Jahre jüngeren Schwester Gerda Leicht, mit der sie viele Jahre zusammengelebt hatte, in Radefeld bei Leipzig beigesetzt. Ihr Leben, das durch zwei Weltkriege und den Verlust der Heimat Siebenbürgen geprägt war, war das einer starken Frau, der es gelang, sich aus den Zwängen von Konvention und ideologischen Bindungen zu befreien.

Wohnung

Wohnung

Lessingstr. 16, Leipzig

Grab

Grab

Grabstelle auf dem Ev. Friedhof Radefeld

Buch

Buch

Titel: Südseesaga.

Buch

Buch

Die Magd der Pharaonen
Entdecken in Leipzig:
Lesen Sie auch