Maler
Prof. Hans Mayer-Foreyt

19. 12. 1916 Brüx (Österreich/Ungarn) – 11. 12. 1981 Leipzig.

Text: Prof. Rainer Schade

Ein Leben, geprägt von der mitteleuropäischen Geschichte

Als Student der Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Leipzig (HGB)  in den 70er Jahren, kam man im ersten Studienjahr unweigerlich mit dem Professor Hans Mayer-Foreyt in Berührung, einer faszinierenden Person.

Ein Leben, geprägt von der mitteleuropäischen Geschichte

Geboren in Brüx (heute Most) in Böhmen, was zu der Zeit noch zu Österreich-Ungarn gehörte, besuchte er die Kunstgewerbeschule in Reichenberg, war Musterzeichner, musste zum Militärdienst und geriet in Gefangenschaft. In meinem Geburtsjahr lehrte er bereits an der HGB und gilt zusammen mit seinen Kollegen Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig als Mitbegründer der Leipziger Schule, auch wenn das später nicht mehr so wahrgenommen wurde. Auf nicht wenigen seiner Bilder sind unter anderen seine damaligen Kollegen aus der Hochschule zu sehen.

Dieser väterlichen Figur begegnete ich, Rainer Schade, 1971 zu Beginn meines lang ersehnten Studiums im heiligen Atelier. Um das Zeichnen zu erlernen, saßen oder standen wir an den Zeichenbrettern, die nicht zu klein sein durften. Wir sollten Stilleben, Interieurs, Portraits oder ganze Figuren zeichnen. Es gab aber auch Aufgaben wie, zeichnen sie die Situation in einem belebten Kaufhaus. Von Zeit zu Zeit betrat er leise den Raum und gab uns Korrekturen. 

Seine Haare waren meist verwuschelt, die Brille saß etwas tiefer auf der Nase und er hatte einen harten Bleistift bei sich. Auch eine Zigarette durfte oft nicht fehlen.

Beispielsweise mühte ich mich seit zwei Tagen, das Profil eines jungen Mädchens halbwegs ähnlich abzubilden. Es gelang mir nur unbefriedigend. Da beugte sich der Meister über mich und gravierte die Profillinie des Modells mit diesem harten Graphit in mein Papier. Mir stockte der Atem, dass hätte ich doch nie wieder korrigieren können. Doch, oh Wunder, dieser Strich saß so genau, dass die Ähnlichkeit komplett hergestellt war. Er schaffte aus dem Stand in zwei Minuten, was ich in vielen Stunden nicht hinbekam. Solche Schlüsselerlebnisse haben uns motiviert. Wir Studenten waren überzeugt, am richtigen Platz zu sein.

Seine Haare waren meist verwuschelt, die Brille saß etwas tiefer auf der Nase und er hatte einen harten Bleistift bei sich. Auch eine Zigarette durfte oft nicht fehlen.

Quelle:
Nordmagazin, ARD Mediathek

Die künstlerischen Grundlagen bestanden damals aus den Fächern Gestaltungslehre, Farbgestaltung (beides Harry Blume), Anatomie, Perspektive, Schrift, Fotografie und natürlich Kunstgeschichte.

Mit dem Dozenten Harry Blume verband Hans Meyer-Foreyt eine enge kollegiale Freundschaft. Sie spielten sich gern die Bälle zu und traten oft im Duo auf. Beide besaßen ihren Bungalow in Carwitz in der Feldberger Seenlandschaft. So wurden unsere Landschaftspraktika gern in einer Jugendherberge in Feldberg organisiert. Da konnten uns die beiden Herren bestens betreuen. Tagsüber strömten wir in die Landschaft, abends gab es feuchtfröhliche Auswertungen der Tagesergebnisse in der Gruppe. Ich erinnere mich, dass wir einmal die Volkspolizei ablenken mussten, weil Hans Mayer-Foreyt mit seinem Wartburg Tourist etwas alkoholisiert und mit etwa sieben Studentinnen an Bord vom Lokal wegfahren wollte. Es klappte natürlich perfekt! Am nächsten Tag war ich dann nur noch in der Lage, meinen Schatten, den ich auf das Blatt warf, nachzuzeichnen und auszufüllen, Pop Art eben.

So verging das Studienjahr sehr schnell und wir merkten gar nicht, dass wir wohl eine Menge beigebracht bekommen haben. In Memoriam sage ich Danke, Professor Mayer-Foreyt!

Da seine Kunst eher hintergründig, auch zuweilen süffisant war und nicht laut oder spektakulär, wurde er in der öffentlichen Kunstbetrachtung nicht so wahr genommen, wie etwa seine Kollegen Tübke, Mattheuer oder Heisig. Seine Bilder hingen bei Kunstausstellungen trotz überzeugender Qualität, immer etwas in der zweiten Reihe. 

Erst der Österreicher und Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste, Dr. Alfred Weidinger, der selbst als Fotograf aktiv ist, holte sich während seiner Amtszeit ein Gruppenbild von Hans Meyer-Foreyt aus dem Depot in sein Büro. Eine späte, aber schöne Ehrung für Mayer-Foreyt. Vielleicht verbinden die Österreich-Ungarischen Wurzeln diese beiden im Geiste? 

Hans Mayer-Foreyt war im Leipziger Stadtbild präsent, gern auch im Café Corso. Von seinen Kollegen wurde er geschätzt. Auch ich bewahre ihn in bester Erinnerung.

NDR Nordmagazin über den Künstler

Berichterstalltung im NDR Nordmagazin. 

Quelle: YouTube-Account der Ehefrau https://www.youtube.com/@barbaramayer-foreyt1450

DDR
Der graue Engel

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Letzte Tage des Dritten Reichs

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Künstler
Hans Meyer-Foreyt

Orte & Quellen:

Wohnhaus in der Ferdinand-Lassalle-Straße 6, 04109 Leipzig

Das Grab in Carwitz

Auf Entdeckertour zum Wohnhaus in Leipzig.

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